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Wie ich zur Igelpflege kam

Eigentlich bin ich Humanmedizinerin,Ärztin für Allgemeinmedizin und Notärztin, und um gleich zum wesentlichen Punkt zu kommen:

Bis 2009 hatten wir mit der Igelpflege kaum Schwierigkeiten. Aber 2009 bekam ich insgesamt 9 Igel im Herbst, war Dauergast bei meinem Tierarzt, dennoch verstarben trotz Intensivpflege 2 Igel und 5 Igel konnten wir neben permanenter Therapie nur durch 3 - 4 x tägliches Füttern am Leben erhalten. Pro Fütterung pro Igel sollte man etwa 30 Minuten veranschlagen, bei 5 Igel (zeitweise 7) mit Kistenreinigung, Tierarztbesuchen etc neben meiner obligaten 70 - 80 Stunden Arbeitswoche und einem sich leider nicht selbst erledigenden Haushalt eine fast unhaltbare Situation. Nach 21/2 Monaten fand ich bei meiner Verzweiflungssuche "Pro-Igel.de" im Internet, besorgte mir ein Mikroskop und fand im Kot meiner 5 verbliebenen und österreichisch austherapierten Igel Lungenwurmlarven in rauhen Mengen. Ein Rundruf bei fast allen hiesigen Tierärzten ergab: es gibt kein Levamisol 10% in unserer Gegend, und wenn, dann bloss für Schweine in viel zu hoher Dosierung. Nach 2 weiteren Wochen gelang es mir Levamisol aus Deutschland zu besorgen, über 3 Ecken und eventuell nicht ganz…Und siehe da: schon nach der 1. Levamisolinjektion frassen meine Igel von selbst in ausreichender Menge……..Die restlichen Medikamente habe ich mir dann auch auf eigene Kosten besorgt - und nun klappt es meistens.

Aber immer wieder bekomme ich Igel von verzweifelten Igelpflegern, die mit oder meist ohne häufige Tierarztbesuche nichts an Gewicht zugenommen haben und stinken (=Krankheitszeichen) - aber wenigstens noch leben.

Man muß leider sagen, dass die meisten Tierärzte hierorts auch nicht viel über Igel wissen - und der Wissensstand sich keineswegs verbessert hat.
Eine Kotuntersuchung wurde 1x maximal erwogen, aber wegen der anfallenden Kosten, der Dauer und dem fraglichen Ergebnis stark negativiert.



Aber nun weiter zu meinem Werdegang als Igelpfleger- falls es jemanden interessiert:
"Halb" am Land aufgewachsen (Bezirk Mödling, Hinterbrühl) kann ich mich nicht erinnern, dass in unserem Bereich je von einem Igel die Rede war. Allerdings kam ich vor einigen Jahren darauf, dass es in Mödling sehr wohl zwei Damen gibt, die Igel pflegen - eine davon ist sogar eine ehemalige Arbeitskollegin.

Vor etwa 12 Jahren zog ich aufs Land, zwei Jahre später hatte ich den ersten Igelkontakt. Eines Sonntag-mittags sah ich einen Igel bei unserem Biotop, zufälligerweise schaute gerade der Nachbar über den Zaun. Ich wollte den Igel fangen, das Ding war echt flott, und der Nachbar, ein alter Herr, sagte: "Lassen Sie ihn ziehen." Ich dachte, er ist von hier und kennt sich aus, wunderte mich aber über den Igel am Tag. Irgendwo konnte ich mich dunkel entsinnen, dass Igel Nachttiere sind. Der Igel verschwand unter dem Gartenhaus. Als ich ihn 3 Tage später im Garten wieder fand am Tag, war er nur mehr die Hälfte, konnte nicht mehr gehen, die Augen geschlossen, massiv von Fliegeneiern belegt. Der Tierarzt konnte ihn nur noch einschläfern. Ab da war mein Vertrauen in die Landbevölkerung dahin. Ich begann aus Interesse über Igel nachzulesen.

Etwa ein Jahr später rief mich mein Lebensgefährte im Dienst an - Nachbarn hatten im Garten gearbeitet, als plötzlich 3 fipsende kleine Igel auftauchten. Die Nachbarn wollten und trauten sich die Kleinen nicht zu übernehmen. Mein Wissen war auch nicht so groß, also sagte ich warm halten, Katzenfutter, Tierarzt anrufen. Als ich abends nach Hause kam, waren die Kleinen beim Tierarzt abgewogen und begutachtet worden und es hatte einige Infos gegeben; Zecken + Flöhe händisch entfernen, Katzenfutter. Die Jungs hatten einen alten Tisch zu einem Freigehege umfunktioniert, wir bauten noch schnell ein Häuschen in der Nacht zur Warmhaltung = Info aus dem Internet. Abgesehen vom Internet hatten wir keine richtigen Informationen. Diese eigneten wir uns zunehmend an. Die Kleinen brachten wir gut durch, sie wurden stattliche Igel - eine davon ist dann das "3-Bein" geworden, welches ich später 20km entfernt in einem anderen Ort wiederfand - siehe Igelgeschichte.

Im gleichen Jahr fanden Bekannte untertags im Garten einen kleinen Igel im Oktober - er kam zu uns.
Auf Grund der Unwissenheit über Igel in der Bevölkerung bemühte und bemühe ich mich um Aufklärung durch Lokalzeitungen, die dankenswerterweise immer wieder kleine Artikel über Igel brachten und bringen.
Es wurden und werden immer mehr Tiere bei mir abgegeben. Letztes Jahr waren 2 Damen dabei, die ihre Findlinge selbst versorgten und nur zu den Injektionen brachten, heuer waren 3 weitere Damen bereit ihre Findlinge nach einigen Tagen zur weiteren Pflege zu übernehmen. Für mich eine große Entlastung, insgesamt waren es 2011/2012 etwa 25 Igel. Wenn man selbst voll berufstätig ist mit bis zu 80 Stunden/Woche neben Haushalt und Garten - kein leichtes Unterfangen. Aber wenigstens weiß ich wofür ich arbeite. In dieser "Saison" habe ich in etwa 2500 EUR nur für Igel ausgegeben - bei einem Stundenlohn von 17,50 EUR muß man da ein Weilchen arbeiten…..

Wie mir schon von anderen Igelpflegern bestätigt wurde, werden mittlerweile vermehrt kranke Tiere gefunden, denen man nicht nur Futter und Unterkunft geben muß zum Überleben wie in den Anfangsjahren.
Vielleicht sind die Leute aufmerksamer geworden oder die Umweltbelastung ist gestiegen - oder einfach beides.

Schon im März bekam ich den ersten Igel mit 400g, er verstarb an Lungenödem = Wasser in der Lunge nach 2 Wochen, vermutlich angeboren.
Heute traf der zweite ein - mal sehen.

An der Futterstelle im Garten haben wir vollen Betrieb, von 5 im Garten aufgestellten Kisten sind zur Zeit 3 belegt.

 
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